Qualitätsjournalismus – „…und die Gauchos gehen so!“

Yippieeee Qualitätsjournalismus! Da kriegt man ja manchmal die Tür nicht zu, denn die Gauchos gehen so! Ich kann nicht versprechen, dass dies der letzte Artikel (der andere ist hier) über König Fußball ist, aber ich werd auch die Kurve in andere Richtungen kriegen. Versprochen! Zunächst muss aber meine Wenigkeit ausgiebig über das Rascheln und Blinken im Blätterwald speien … ich hoffe ihr verzeiht mir meine Verbalinjurien, aber ich bin eben kein Qualitätsjournalist.

Rückblick: letzten Sonntag gewann eine junge, sympathische und spielfreudige Mannschaft die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Ich hab mir den Allerwertesten abgefreut und damit ging es mir gefühlt, wie 99,9 % der restlichen Bevölkerung. Die anderen 0,01 % der Miesepeter scheinen mir fingernagelkauende und hinternkratzende „Qualitätsjournalisten“ zu sein. Lauernd auf Schande, auf Sensation und Skandal … denn einfach nur ungetrübte Freude … Neee Freunde, nicht mit uns!

Respektvoller Umgang mit Gastgebern und Brasi-Nationalmannschaft ist uns scheinbar zu nett, also dann doch lieber wieder den guten alten Knüppel aus dem Sack und aus einer Kinderparty nen faschistoiden Fackelmarsch machen. Und das am besten noch so weit aufblähen, dass man im Ausland gleich wieder denkt „Look … the ugly germans!“ Danke an Spiegel, TAZ und Co für Eure Interpretation der Völkerverständigung!

Screenshot Spiegel Online
Quelle: Screenshot Spiegel Online
Screenshot TAZ
Quelle: Screenshot TAZ

Was ist bloß los mit Euch? Muss es IMMER, aber auch wirklich IMMER etwas zu mäkeln und zu meckern geben? Seid ihr erst zufrieden, wenn das Sackhaar auffm Tellerrand liegt?
Überraschenderweise gibt es ausländische Medien, die uns COOL und ABSOLUTELY UBERGESCHNAPPT finden! Passend finde ich besonders zwei Facebook Posts von den geschätzten Kollegen Frank und Nico:

Frank_Facebook Nico Lumma
Inzwischen weiß ich, dass meine Entscheidung auf Abonnements zu verzichten, richtig war. Bleibe ich aus Loyalität bei meiner Tageszeitung fürs Lokale (solange die noch nicht vernünftig online aufbereitet sind) und such mir meine Infos online selbst zusammen. Macht auch mehr Laune selbst auf Erkundungstour zu gehen, als mir Meinung aufoktroyieren zu lassen.

Also liebe Stock-im-Hintern-Bedenkenträger: Rollt den Rollkragenpulli runter, lasst mal den ein oder anderen menschlichen Zug zu und hört auf in allem und jedem den bösen deutschen Nazi zu sehen. Das Thema ist ja wichtig, das wissen wir, dank jahrzehntelanger und ausgiebigster Berichterstattung, sowie gefühlt jedem zweiten Film der aus unserem Land stammt. Aber ich bin müde, sehr müde mir immer wieder das kollektive schlechte Gewissen einbläuen zu lassen. Ich WEISS, dass das die größte Schande der Geschichte ist, aber ich kann es nicht rückgängig machen! Stattdessen versuche ich ein (meistens) netter, aufgeschlossener und freundlicher Erdenbürger zu sein, der ohne Vorbehalte auf andere losmarschiert (Ahhhh … ist das auch Nazi-Terminologie?!?!), die Hand reicht und jedem die Chance gibt, mich kennen zu lernen. Kurz: ICH BIN KEIN BRAUNER AFFE nur weil ich mich über den Titel freue!

Vermutlich haben wir aber bald wieder Ruhe und können uns wieder wichtigerem Content widmen, sauber aufbereitet, unreisserisch, informativ.

Quelle: Screenshot N24, Facebook Post
Quelle: Screenshot N24, Facebook Post

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu letzt … Bleibt positiv Leute!

Einen wunderbaren Artikel zum Thema Gaucho-Song möchte ich Euch nicht vorenthalten: MobileGeeks

Veröffentlicht von

Sebastian Freitag

Sebastian Freitag, Jahrgang 1975, ist seit 1998 ist verschiedenen Funktionen in der Kommunikationsbranche tätig. Als Mitgründer und -Geschäftsführer der Werbeagentur VON DER SEE berät er Kunden zu den Themen Markenführung, Onlinemarketing und digitalen Strategien. Dies ist Sebastian privater Blog. Eine Sammlung von Gedanken und Dingen, die ihn bewegen.

6 Gedanken zu „Qualitätsjournalismus – „…und die Gauchos gehen so!““

  1. Ja, da senden wir schöne Grüße ins Sommerloch. Und, liebe Redakteure: Bevor ihr die moralische Luftpunpe an den nächsten Fliegenstuhlgang ansetzt, vielleicht räumt ihr mal besser eure Schreibtische auf und wischt mit einem nassen Lappen drüber? Da werden sich einige von euch erschrecken. Aber anschließend könnt ihr die wirklich wichtigen Themen wieder ‚ganz sauber‘ abarbeiten.

  2. „Was ist bloß los mit Euch? Muss es IMMER, aber auch wirklich IMMER etwas zu mäkeln und zu meckern geben? Seid ihr erst zufrieden, wenn das Sackhaar auffm Tellerrand liegt?“

    Ja, muss es wohl. Denn wie auch bei anderen Themen, siehe Ukraine-Krise, NSA-Skandal…: Mit provokativen Überschriften erhöht man die Klick- und Kommentarzahlen. Eine sehr bedenkliche Entwicklung…

  3. Nazikeule ist sicher Quatsch, und zwar von beiden Seiten (Aufreger und Aufreger über Aufreger, die sich selbst für unaufgeregt und locker halten).

    Es sind halt Proleten, die sich über unterlegene Gegner lustig machen, was schlicht und einfach unanständig ist. Deutsche Mannschaften sind sympathischer, wenn sie verlieren. Anderenfalls werden sie – wie gesehen – großkotzig. Das trifft aber vermutlich auch auf alle anderen Nationen zu. Fußball ist der „unsportlichste“ und unfairste Sport überhaupt, weil man da solche Minderwertigkeitskomplexe ausleben kann und sich mit seiner Gruppe über andere erhebt. Ein Grund für seine Beliebtheit. Der Nationsbezug ist also Quatsch, weil das auf Vereinsebene ganz analog stattfindet. Fair geht anders (und wahrscheinlich: woanders). Die Mannschaft kann sich aber meiner Sympathie sicher sein, wenn sie beim nächsten Mal in der Vorrunde ausscheiden. Dann sind sie auch netter…

    1. Kann man sicherlich auch so sehen Käthe, ich bin der Meinung, dass es auch irgendwann mal gut damit sein muss aus Kleinigkeiten ne Riesennummer zu machen, da scheinen die Redaktionen nur drauf zu warten, um einen Aufhänger für die nächste Schlagzeile zu haben.

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