Filter bubble, beimirso.de

Leben in der Filter Bubble

Hallo zusammen,

gestern war ich erstaunt über einen Artikel in der SZ, welcher sich übergeordnet mit der Filter Bubble beschäftigte (hier geht es zu besagtem Beitrag der SZ).
In dem Original-Artikel (Danke an Falk für den Hinweis) beschreibt der amerikanische Publizist Mat Honan, was sich in seinem Facebook-Account tat, als er 2 Tage lang alles likte, was ihm vor die Maus kam. Ein paar Einschränkungen hatte er schon gemacht, aber im Großen und Ganzen ne bescheuerte Idee, denn das Ergebnis sollte eigentlich niemanden überraschen:

In 48 Stunden vergab Honan mehr als 1.000 Likes und stellte dabei fest, dass immer dann, wenn er von den Likes getrieben, in eine bestimmte Richtung driftete, sich seine Neuigkeiten veränderten. Der Publizist favorisierte einen Beitrag rechtgerichteter Politik und sein Newsfeed veränderte sich entsprechend in diese Richtung und spielte ihm mehr Inhalte vergleichbarer Art zu. Die umgekehrte Richtung zu linksgerichteter Politik bewirkte dasselbe. Gleichzeitig wurden Meldungen von Freunden weniger, dafür traten Produkte, Anzeigen und Unternehmen in den Vordergrund. Sprich: je nach Klickgewohnheit veränderten sich die Informationen im Newsfeed. Das diese Tatsache tatsächlich überrascht und gar einen Artikel in der SZ wert ist, hat mich nachdenklich gemacht (mal abgesehen davon, dass man wohl ein Sommerloch zu stopfen hat).

Wissen so viele Menschen nicht, wie der Mechanismus einer Filterblase abläuft?

Dann sollten wir das bitte gemeinsam ändern und ich erhoffe mir mit diesem Artikel, vielleicht einen Anstoß liefern (total über ambitioniert, ich weiß!) und diesen auch fortführen zu können – mit Euren Anmerkungen, Beobachtungen und Tipps.

Zunächst einmal: was ist eine Filter Bubble?

Filterbubble beimirso.de
Das Netz ist bunt.

Den Begriff Filter Bubble  „erfand“ Eli Pariser, der in seinem gleichnamigen Buch die Informationsblase beschrieb. Kurz gesprochen: Viele Webseiten verwenden einen Algorithmus, um dem User möglichst passgenaue Inhalte zu liefern. Das macht nicht nur Facebook so, sondern auch Google und seine Drivate wie Google+ und YouTube arbeiten nach diesem Prinzip. Wer mehr über Eli Pariser und seinen Ansatz wissen möchte, der möge mal dieses Video schauen.

Bildlich gesprochen bewegen wir uns also in einer Informationsblase, in der wir Meldungen und Botschaften empfangen, die auf uns, unsere Suchgewohnheiten und Interessen zugeschnitten sind. Oder auf deutsch: Ich bekomme andere Suchergebnisse und Infos ausgespielt als Du.

Wo ist hier eigentlich das Problem?“ Mögen sich da einige fragen. „Ist doch toll, wenn ich nur das ausgespielt bekomme, was mich auch interessiert.“

Exkurs: Das ist auch das Totschlag-Argument von personenbezogener Werbung im Web. Streuverluste gibt es im Print, viel exakter kann das Web auf Basis der gelieferten und auswertbaren Daten von Google, Facebook und Co. arbeiten. Ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht vermag ich nicht abschließend zu beurteilen und würde mich an dieser Stelle über Input hierzu freuen! Das gäbe bestimmt ein schönes weiteres Thema ab … aber zurück …

Großer Vorteil der Algorithmen / Filter Bubbles ist es in der Tat, dass ich überwiegend Infos zu Themen und Produkten oder Vorlieben bekomme, die ich auch interessant finde. Wer will schon – wenn er nach dem nächsten Kino in Emden sucht, in dem die Schlümpfe 24 läuft, dann 100 Kinos in Bielefeld (hehehe) angezeigt bekommen, in denen „Cinderella knattert das Biest“ gespielt wird?  Das Wörtchen überwiegend kann aber auch schnell durch „nur“ ersetzt werden und spätestens dann haben wir ein Problem. Wir bewegen uns dann nämlich ausschließlich nur noch in einer Umgebung, die Informationen bereithält, die uns schmecken. Die Kehrseiten, Gegenargumente und Alternativen bleiben uns vielleicht verborgen. Die Gefahr einer Bevormundung besteht.

Auf progressivereader.com gefunden
Auf progressivereader.com gefunden

Wollen wir diese Bevormundung also verhindern, lohnt sich regelmäßig der Blick über den Tellerrand. Hinterfragt Themen die Euch interessieren. Sucht in Blogs und Foren und macht Euch das ganze Netz zu Nutze. Schon eine anonymisierte Suche und das regelmäßige leeren von Cache und Verlauf hilft dabei weniger gefilterte Ergebnisse zu bekommen. Das Web war als freier Ort geplant und erdacht. Wenn wir aber nur eine Welt sehen, die aus (von wem eigentlich) vorsortierten Wahrheiten besteht verlieren wir den Blick und das Interesse für das Ganze.

Quelle: Pixabay frankspandl
Quelle: Pixabay frankspandl

Fazit: habt keine übermäßige Angst vor Filter Bubbles – aber wissen sollte man schon, dass unser Onlineinput uns größtenteils recht appetitlich aufbereitet serviert wird. In der Küche hingegen kann es auch ganz anders aussehen. gefiltert wurde auch schon im Altertum und Mittelalter, wenn der Marktschreier die neuesten Botschaften verkündete, waren diese auch nur ein Ausschnitt des „großen Ganzen“. 😉

Ein Tipp zum Abschluss Facebook betreffend:

Feed_Nachrichten

Sortiert eure Feeds und legt euch entsprechende Listen an in denen Ihr Euch Neuigkeiten ladet. So könnt ihr Beispielsweise einen eigenen Newsfeed für neue Nachrichten generieren und hier die unterschiedlichsten Medien einbeziehen, die vielleicht auch kontrovers sind und erhaltet so eine breitere Informationsbasis. Vortrefflich und in aller Ausführlichkeit findet ihr die gesammelten relevanten Infos zum Thema „Was es mit den Facebook Neuigkeiten auf sich hat“ im Blogbeitrag der geschätzten Kollegin Annette Schwindt.

Quellennachweis: Titelbild, pixabay 

Linktipp zum Thema Mediennutzung: bpb.de

Veröffentlicht von

Sebastian Freitag

Sebastian Freitag, Jahrgang 1975, ist seit 1998 ist verschiedenen Funktionen in der Kommunikationsbranche tätig. Als Mitgründer und -Geschäftsführer der Werbeagentur VON DER SEE berät er Kunden zu den Themen Markenführung, Onlinemarketing und digitalen Strategien. Dies ist Sebastian privater Blog. Eine Sammlung von Gedanken und Dingen, die ihn bewegen.

6 Gedanken zu „Leben in der Filter Bubble“

  1. Ich beobachte diese Filterbubble schon einige Zeit und Versuche Sie auch öfters zu Manipulieren. Für mich (der gerne allgemeines Wissen aufsaugt) ist sowas kontraproduktiv.

    Ich werde mir wohl die Zeit nehmen müssen um meine allgemeine Konfiguration im www zu überarbeiten. Danke für diesen guten Artikel und erneuten Denkanstoß.

  2. Filterbubble also. So so. Internet. Technik. Hm. Es wäre ja nicht so, dass sich Menschen schon immer nur in ihren Interessengruppen bewegt hätten, und ich die Filterbubble für kein Phänomen des Internets halte und wir sie heute genauso wenig umgehen können, wie Leute vor 100 Jahren.

    Selbst wenn mir kein Algorithmus vorgaukelt, welche Themen ich lesen könnte / was mich interessieren könnte, lege ich mir eine eigene Blase. Das war schon immer so, denn wir werden durch unser Umfeld geprägt. Und dies ist wahrlich nichts Neues.

    (Und ja, ich dann den Begriff nicht mehr hören, weil man so tut als wäre das ein Phänomen, welches vor Jahren aufkam, aber irgendwann in den 80ern schon wissenschaftlich untersucht wurde) 😉

    Liebe Grüße,
    Kai Thrun

    1. Das ist ja irgendwie das Absurde Kai, Zeitungen sind auch eine Filterbubble. Der Marktschreier im Mittelalter war eine Filterbubble. Da ich aber immer wieder auf schwerst erstaunte Menschen treffe, denen es neu ist, dass Suchergebnisse und Feeds auch einer Filterung unterliegen, dachte ich man sollte das Thema noch mal hervorholen. 😉

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