Kinder-Bilder auf Facebook

Himmel Arsch und Zwirn … Kinder-Bilder auf Facebook. Muss das wirklich sein? Immer wieder findet man in der Timeline von Freunden und Bekannten oder Wildfremden die stolze Zurschaustellung der eigenen Sprößlinge. Ist das sinnvoll, gut oder ungefährlich?
Niedliche Situationen, wie „mit dem Kopf im Matsch stecken“, „Oma die Haarspray-Friese in Brand stecken“ oder „sich gegenseitig mit Wonne in die Schnauze hauen“ wird immer gern von Eltern genommen, um zu zeigen wie amüsant und schön das Familienleben doch ist. Aber genauso häufig findet man auch Urlaubsbilder von glücklichen Menschen an schöneren Orten. Alles witzig, alles schick … und der Rest der Familie und Freunde können am Leben der Kinder teilnehmen und beneiden wie cool die anderen sind, oder aber bemitleiden, was man denn Schlimmes zu Hause erlebt hat. Aber eben nicht nur die Freunde sehen was los ist.

Wer so „frei“ ist, die Bilder seines Nachwuchses öffentlich zu posten, erlaubt es jedem Halbgaren die Bilder downzuloaden und so auch gegebenenfalls auf anderen Seiten, Plattformen oder Foren zu veröffentlichen. Ich möchte einige Beispiele formulieren und zeigen, warum man lieber darauf verzichten sollte, den Nachwuchs allzu deutlich ins Internet zu bringen.

1. „Erotik-Seiten“
Wie super so was sein kann, sieht man beispielsweise auf der Facebook-Seite „Cute Teenies“.

Teenie-Seiten

Auf der Seite, deren Urheber keiner kennt, findet man neben offenbar professionellen Bildern auch zahlreiche Amateuraufnahmen, die mit Sicherheit aus den Profilen der Teenager selbst oder von den Seiten stolzer Eltern stammen.

„Meine Tocher ist ja wohl das süßeste Mädel der ganzen Welt“ bekommt dann auf einmal einen sehr faden Beigeschmack. Von diesen Seiten gibt es unendlich viele. Überall. Habe ich zwar schon oft geteilt, ist aber immer noch ein eindrucksvoller Klassiker, der zeigt, wie verfüg- und nutzbar Eure Daten sind und missbraucht werden können: „Take this Lollipop„. Und wie viele Perverslinge da draußen rumlaufen, weiß vermutlich jeder, Dank dauernder Horrormeldungen auf allen Medien und Portalen.

2. Truman-Show
Selbst wenn es keine Strandbilder der Teenager-Kids im Bikini sind, sondern Fotos zu Karneval hat dies Auswirkungen. Nämlich auf die Kids. Wir Älteren haben es doch auch früher gehasst, wenn peinliche Bilder von uns die Runde in der Familie oder Clique gemacht haben. Facebook und Google potenzieren die Reichweite ins Unendliche. Und den eigenen Kindern wird nicht einmal die Chance gegeben selbst zu entscheiden, was sie von sich im Internet zulassen möchten. Dazu sind sie entweder noch zu klein oder begreifen die Tragweite des Ganzen nicht.

Kleine Google-Suche "meine Kinder"
kleine Google-Suche „meine Kinder“

Es ist doch die Verantwortung der Eltern, die Kinder vor Schaden zu bewahren. Offenbar fehlt aber auch vielen Eltern die Medienkompetenz oder es ist Ihnen schlichtweg egal, dass Kindergärtnerinnen, Lehrer, Mitschüler, zukünftige Arbeitgeber und Kollegen im Prinzip die „Lebensgeschichte“ ihres Gegenübers entdecken, Peinlichkeiten gegen sie verwenden oder vielleicht Chancen verbauen können. Welcher potenzielle Chef will schon bei Facebook lesen, dass „Klein-Paulchen schon immer ne Mathe-Niete“ war oder Partyfotos auf „die peinlichsten Internetfotos“ finden. Den 9-jährigen Sebastian, der mit blankem Flips am Strand von Ameland rumrannte, möchte ich nicht zum Gesprächsthema beim nächsten Kundenmeeting haben. Was man für sich selbst nicht möchte, sollte man auch nicht dem Nachwuchs antun. Damit wären wir auch schon bei Punkt 3 angelangt …

3. Sozialdruck

„Klein-Paulchen muss unbedingt Mathe üben, sonst klappt das mit der Arbeit nicht …“. Dieses und ähnliches liest sicherlich jeder von Euch in der Timeline. Gepostet von den Freunden und Bekannten, die sich dabei nichts Böses denken. Doch was passiert nach einem solchen Post? Richtig: Interaktion. Da schreibt die Tante: „och das klappt schon“ und die Nachbarin: „wie ist es denn ausgegangen?“ usw. usw. So … nun haben wir den Salat. Nun bin ich und auch mein Kind ja in der Pflicht Leistung zu liefern! Also gelernt was das Zeug hält und dabei den unbewussten Gedanken im Hinterkopf: „das muss jetzt aber auch klappen, wie stehe ich sonst da!“ … und das Kind? Wie steht es da, wenn es nicht die gewünschte – nein – erwartete Leistung erbringt? Es wird von Leuten angesprochen. Das eigene (Un-)Vermögen wird zum Gesprächsthema gemacht und somit auch wieder Druck in alle Richtungen aufgebaut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies leistungsfördernd ist.

Fazit: Das Internet ist ein Quell der Freude UND des Leids. Nicht erst Videos von Katzengrillen machen uns dies klar. Es ist also mehr denn je an der Zeit, dass Eltern, Lehrer und Kinder sich intensiver mit dem Thema Medienkompetenz auseinandersetzen. Je früher, um so besser. Im positiven Sinne von Social Media, dem ich mich hier verschrieben habe:

Werdet nicht müde aufzuklären und die Risiken zu diskutieren!

Nachtrag: Thorsten Ising machte mich noch auf die FB-Community Seite „Keine Kinderfotos im Socialweb“ aufmerksam. Vielleicht ist die auch für Euch interessant. Desweiteren noch ein Link zu Klicksafe mit Infomaterial für Euch.

Veröffentlicht von

Sebastian Freitag

Sebastian Freitag, Jahrgang 1975, ist seit 1998 ist verschiedenen Funktionen in der Kommunikationsbranche tätig. Als Mitgründer und -Geschäftsführer der Werbeagentur VON DER SEE berät er Kunden zu den Themen Markenführung, Onlinemarketing und digitalen Strategien. Dies ist Sebastian privater Blog. Eine Sammlung von Gedanken und Dingen, die ihn bewegen.

11 Gedanken zu „Kinder-Bilder auf Facebook“

  1. Hallo, lese Deine Beiträge schon auf FB immer gerne … auch wenn es da ja nun meist um „Technik“ geht 😉
    Aber diesem Blog hier kann ich gar nicht mehr zustimmen!!! Regt hoffentlich (außer mir, da rennst Du aber offene Tore ein mit dem Thema) auch andere zum Nachdenken an!

    1. Hallo Sabine, vielen Dank für Dein Feedback! Freut mich, dass es Dir gefällt. Ich vermute mal du meintest „diesem Blog kann ich nur mehr als zustimmen“? 🙂

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