Internet! Du Arschloch!

Internet … das wollte ich dir schon immer mal sagen: Du bist ein Arschloch! Da werden Giraffen nieder gemacht, nur weil ich ein Plädoyer für sie hielt. Da kann man mal sehen, was Artikel so für Konsequenzen wegen DIR haben können …

Quelle: pixabay
Dies ist eine nicht verfütterte Giraffe. Quelle: pixabay

Als Sir Timothy John Berners-Lee dich im stillen Kämmerlein gebar, aufzog und dir mit HTML sogar das Sprechen beibrachte, hat er wohl nicht damit gerechnet, was für eine unerzogene Rotzgöre da mal wirst. Und hier die wilde subjektive Zusammenfassung, die du uns jeden Tag über deine unzähligen Kanäle vermittelst: 

1. Du vernichtest Arbeitsplätze!

Jeden Tag sterben mehrere Menschen den Hungertod wegen dir. Aussterbende Innenstädte. Genozid des Einzelhandels. Daran bist Du schuld. Du ganz allein. Nicht etwa die Menschen, die die Zeichen der Zeit irgendwie falsch deuten…

gefunden von Oliver Gerken, Instagram @gerkeno
gefunden von Oliver Gerken, Instagram @gerkeno

Was die Verkäuferin im Tante Emma Laden um die Ecke erkannt hat, hat sogar die Wirtschaftsbosse inzwischen erreicht. Nicolas Berggruen spricht es offen in seinem Statement aus:

Der Feind sitzt nicht drinnen. Er sitzt draußen.

Damit meint der gute Schwede laut dem Artikel in der Süddeutschen besonders Dich Internet!!! Also lass das! Dann gehts uns allen auch wieder besser und wir werden überall wieder zuvorkommend behandelt, die Reklamation oder der Umtausch von Waren so einfach und unkompliziert gehandelt wie bei den Schreihälsen von Zalando oder den drohnenbewehrten Kampfweibern aus Amazonien und eben nicht wie jetzt so häufig mit Unfreundlichkeit oder gar mangelndem Willen sich für Kundschaft zu engagieren.

2. Du machst uns alle ADS!

Quelle: pixabay
der Quengelkasper. Quelle: pixabay

Wir haben inzwischen die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege erreicht. Sogar während ich diese Zeilen schreibe saugst Du mir die Konzentration aus und ich lese 2 E-Mails, surfe auf Facebook, ärgere mich über Adwords-Einstellungen und schreibe an einer Präsentation. Kids kriegen keine vollständigen Sätze mehr raus, sondern nur noch YOLO, ROFL, LOL und machen Duckface in die Kamera. Deine Dienste unterstützen die Verknappung. Snapchat verkürzt die Unterhaltung dank begrenzter Einblendzeit der Nachricht und Tinyurls flippern durch Twitter – die schlimmste Sprachverarsche des Planeten. Ich sollte mich also kürzer fassen, wahrscheinlich schafft es die Hälfte von Euch nicht mal bis zum nächsten Punkt, der da passender weise lautet:

3. Du machst uns alle aggressiv!

Selbstgekritzelt
Selbstgekritzelt

Allein meine Wortwahl und die vielen Ausrufezeichen sollten da schon recht deutlich aufzeigen, wie schlimm Du bist! Früher war ich so ein lieber netter Kerl. Im Netz wird gepöbelt, was der Bregen her gibt. Da reichen schon kleinste Vergehen wie falsche Interpunktion, um sich den Spott der Neider zu zuziehen. Wir mutieren zu Zynikern, Hetzern und gottlosen Heiden, die nur noch den nächsten Hype pushen oder die nächste Nettigkeit verarschen wollen. Verarschen wir doch lieber den richtigen: Dich – Du Internet!!!

4. Du machst Selbstdarsteller!

Nur 59? Wofür mach ich den ganzen Scheiß eigentlich?!
Nur 59? Wofür mach ich den ganzen Scheiß eigentlich?!

Wo leben wir eigentlich? Jeder Hans und Franz kann seine völlig unwerte Meinung kundtun? Ohne Zensur? Ohne Regulierung? Ohne Lektorat? Wer will den ganzen Krempel denn lesen, der pro Sekunde durch deine Adern strömt. Natürlich ist MEIN Beitrag lesenswert und unbedingt nützlich, ja lebensverändernd. Wer den also kaputt redet (siehe Punkt 3.), hat per se keine Ahnung. Teilen ist Pflicht … Früher war das doch alles viel geiler, da wurde uns das schön häppchenweise appetitlich gehirngerecht serviert. Heute müssen wir uns, wenn wir den Wahrheitsgehalt von Dingen hinterfragen wollen selbst auf die Suche machen! Und was haben wir davon? Erkenntnisse? Befriedung den Dingen selbst auf den Grund gegangen zu sein? HA! Da lachen wir doch alle schallend drüber, denn eigentlich …

5. Du machst uns unwissend!

Hä? Hab ich was verpasst? Hab ich? Scheiße! Jemand anderes hat die coole neue Info gepostet! Oh jeee das tolle Katzi-Tatzi-Bild mit dem schönsten Liebesspruch hat die Ex veröffentlicht. Nun sind wir alle traurig oder haben es einfach nicht mitgekriegt und sind somit in der nächsten Gesprächsrunde OUT! Können uns sozusagen direkt auf der nächsten Stehparty an der Yuccapalme verlustieren, denn an hippen Gesprächen können wir uns nicht beteiligen. Ach ja apropos Lust …

6. Du machst uns alle geil!

Ein Netz voller Schweinskram! Quelle: pixabay ... schon wieder
Ein Netz voller Schweinskram! Quelle: pixabay … schon wieder

So geil, dass in England die Pornofilter staatliche verordnet werden müssen, um die eh schon verdorbene Jugend zumindest den Zugang zu Sex, Drugs and Rock´n Roll für 20 Sekunden länger zu erschweren. Das ist unser Auftrag als Gesellschaft, denn die Blagen wissen eh nicht was gut für Sie ist. Funktioniert auch so super, dass auch gleich noch mehr mit blockiert wird. Zum Beispiel Seiten auf denen User sexuellen Missbrauch melden können. Wenn wir selbst aber unsere Kinder auf YouTube beim Kacken oder auf Instagram beim Essen zeigen, dann ists okay. Denn wir haben uns schließlich Gedanken darüber gemacht, was wir posten, denn wir wissen ja, dass die Schmutzfinken da draußen natürlich nicht UNSERE Angehörigen belästigen werden. Wer möchte, kann das Thema hier vertiefen …

 7. Du machst uns out!

Made in Germany ... wenigstens das können wir noch. Quelle: pixaby
Made in Germany … wenigstens das können wir noch. Quelle: pixaby

Deutschland! Das Land der Ideen … ja genau! Bevor Du da warst, du blödes Internet, da waren wir mal Innovationsführer! Ha! Wir waren wer! Und nun? Nun dümpeln wir mit 24kbit Leitungen durch dich, verlieren den Anschluss und werden überrollt von Dingen, die wir nicht mal verstehen. Nun heißt es #neuland und kriechen vor den schwarzen Rittern aus dem Weißen Haus.

8. Du machst uns gläsern!

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NSA, Tempora!!! Das hast du dir doch ausgedacht! Du Sch— Internet!!! Nun wissen alle, wie ich ticke, was ich heimlich im Netz treibe und das ich ne Packung HelloKitty Taschentücher auf dem Schreibtisch hab! Lass das Internet! Mach dich wieder sauber! Du zerstörst unsere Demokratie … von uns darfst Du aber keine Hilfe erwarten, denn wir verstehen dich schon lange nicht mehr.

 

Und weißt du was Internet? Du kannst gar nichts dafür … Du wurdest erdacht von Menschen. Du wirst gefüttert von Ihnen – von uns. Mit Fastfood und zuckerhaltiger Limo, mit Sahnetörtchen und Karamellriegeln. Wir Menschen sind fehlerhaft und du zeigst uns das jeden Tag. Du bist also eigentlich ein Spiegelbild unserer Selbst und damit wie unsere Kinder: Auch die sind ein Abbild von uns selbst – von unserem Denken, unserer Meinung, unserer Erziehung, unserer Toleranz und unserer Konsequenz. Also sind wir selber die Arschlöcher. Beschimpfen wir uns doch selbst. Jeder für sich.  Danke Internet – ich mag Dich.

Veröffentlicht von

Sebastian Freitag

Sebastian Freitag, Jahrgang 1975, ist seit 1998 ist verschiedenen Funktionen in der Kommunikationsbranche tätig. Als Mitgründer und -Geschäftsführer der Werbeagentur VON DER SEE berät er Kunden zu den Themen Markenführung, Onlinemarketing und digitalen Strategien. Dies ist Sebastian privater Blog. Eine Sammlung von Gedanken und Dingen, die ihn bewegen.

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