Sebastian Freitag beimirso

Ich mache keinen Adventskalender

Alle Jahre wieder kommen die Online-Adventskalender aus dem world wide web geschossen und gehen mir auf den Geist. Besonders auf Facebook wird penetrant und virtuell in den primären Geschlechtsorgane (genderkonform) getreten, das es nur so scheppert. Neben unzähligen Einladungen brennen sich diverse beschaulich-grelle Ideen in die Netzhaut, sodass ich mich ernsthaft frage: „Was soll das?“

Größtenteils muss man ja auch erstmal Fan (Social-Sprech: Fangate) werden, um dann am Gewinnspiel teilnehmen zu können (als Beispiel darf hier mal OBI herhalten … viel Spaß beim Gewinnen).

Sebastian Freitag OBI

Was versprechen sich all die Unternehmen davon? Ein Alleinstellungsmerkmal? Einen Innovationspreis? Hohe Aufmerksamkeit? Wachsende Fanzahlen?

Das, was gezeigt wird ist leider größtenteils austauschbar. Aber ich vermute, dass es genügend Leuten gefällt, um damit weiter zu machen und den X-ten Advents-Fangate App-Advertising Post-Zickzackzobel in unsere Newsfeeds zu ballern. Die Frage muss aber erlaubt, was nach den Feiertagen von dem Wachstum übrig bleibt. Loyale Markenbotschafter? Oder ziehen die plündernden Horden dann weiter, um das nächste Wir begrüßen den Frühling!-Gewinnspiel aufzusuchen?

Wenn alle das gleiche tun, wer fällt dann angenehm auf? Vielleicht die, die die Leute in der Adventszeit mit „Hier Geschenke!“ und da „Wir sind Gutmenschen und erzählen Euch wie sozial wir sind“-Posts in Ruhe lassen? Ich werde es mal ausprobieren und keinerlei derartige Posts verzapfen.

Fast genauso nervig sind auch die andernorts verbreiteten Gefühlsduseleien. Alles muss harmonisch sein, dabei bedeutet die Weihnachtszeit meistens Stress … Stress für Verkäufer, für Ladenbesitzer, für Postboten, Mütter, Kinder, Großeltern und Dienstleister wie uns, die wir noch 3 Wochen vor Weihnachten Weihnachtskarten gestalten und produzieren dürfen, weil Weihnachten ja immer so überraschend kommt.

Wir lassen uns (in der breiten Mehrheit) von „höher, schneller, weiter“ durch die Geschäfte und Online-Shops jagen. Selbstgemachter Stress wohlgemerkt. Schön finde ich auch all die günstigen Adventskalender für den Nachwuchs. Wo es mal kleine Schokoladentafeln oder gar Mandarinen gab (für die Mecces-Generation: das ist Obst, so ähnlich wie Orangen, nur kleiner), müssen heute LEGO-Starwars, „Barbie knattert Ken“ und „das Krümelmonster vs Megatron“-als Action-AdventureSpielzeug zum selberbasteln rausgehauen werden. Diese Terror-Pakete mit 24 Türchen kosten gefühlte zwei-Wochengehälter … aber was tut man nicht alles für den Nachwuchs. (Sorry meine lieben Kids … bei Papi und Mami gibt’s wieder nur Schokolade!)

Noch mehr schaudert es mich allerdings, wenn direkt nach dem 80-iger Schmuseknaller „Last Chrismas“ die Stimme des Radio-Moderatoren auf Mitleid schaltet und irgend eine arme Seele anruft, um dessen Schicksal in die Öffentlichkeit zu zerren. Bitte nicht falsch verstehen. Menschen denen es schlecht geht verdienen Hilfe. Aber dieses geschmacklose „nun teil uns mal den Schicksal mit, damit wir uns alle besser fühlen, weil wir von sowas verschont geblieben sind und dann gibts auch Geschenke“-finde ich so unweihnachtlich, wie wie Cindy aus Marzan erotisch. Anderes Beispiel, wo Gefühlsduselei in billige Werbung umgesetzt wird, bietet aktuell Bon Prix … Da werden 50 € für den guten Zweck pro teilnehmendem Blogger ausgelobt, der die Charity Aktion auf seiner Seite teilt. Nett … nicht nett, dass die Gesamtspendensumme auf 5.000 € begrenzt ist … also schnell mal 100 Blogger und somit klasse Backlinks abgegriffen im Namen der weihnachtlichen Barmherzigkeit.

So … nun hab ich kurz Dampf abgelassen und fühle mich besser. Ich werde mich tapfer weiterhin dem Radio verweigern, um nicht cholerisch zu werden und freue mich auf die schönen Momente der Adventszeit … die wird es da draußen bestimmt auch geben … ganz ohne Adventskalender. Wer trotzdem ganz viel gewinnen möchte, der sollte mal in die Liste von allfacebook.de schauen … da ist eine schöne Übersicht der Adventskalenderaktionen auf Facebook 😉

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit°!
Sebastian

P.S.: falls ihr echt tolle Weihnachtsaktionen auf Facebook oder sonst wo entdeckt, dann freue ich mich über eure Mitteilung. Denn gemäß meinem Wunsch das Social-Web wieder sozialer zu machen, möchte ich natürlich sehr gern positive Beispiele benennen!

Da kommt auch schon das erste positive Beispiel und dankenswerterweise ohne Fangate! Das ORWO-Haus Berlin zeigt Songs seiner Bands! Schöne Sache und lobenswert!

Veröffentlicht von

Sebastian Freitag

Sebastian Freitag, Jahrgang 1975, ist seit 1998 ist verschiedenen Funktionen in der Kommunikationsbranche tätig. Als Mitgründer und -Geschäftsführer der Werbeagentur VON DER SEE berät er Kunden zu den Themen Markenführung, Onlinemarketing und digitalen Strategien. Dies ist Sebastian privater Blog. Eine Sammlung von Gedanken und Dingen, die ihn bewegen.

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