Giraffen-Content für eine bessere Welt

Ich produziere Giraffen-Content. Katze ist out. Und ich hoffe, dass es mir meine Social Media Kollegen nachsehen. Aus irgendwelchen Gründen wurde ein Rätselspielchen gestartet und ich habe mitgemacht. Spontan. Ohne nachzudenken. Nun habe ich den Salat und darf bis Samstag ein Giraffenbild als Profilbild als Konterfei nutzen. Ist das schlimm? Ist das blöd? 

Das muss natürlich jeder für sich selbst bewerten. Ich jedenfalls finde es belustigend, auch wenn viele die Nase rümpfen. Vielleicht ist das ein bisschen wie Modern Talking. Konnte keiner leiden, haben alle gedisst und trotzdem hat es für Friesenjung Bohlen zum Poptitan gereicht. So stelle ich denn auch fest, dass inzwischen mehr als ein Dutzend meiner Freunde ein Giraffen-Profilbild tragen. Insgesamt haben mich über 30 Leute angeschrieben, die das Rätsel lösen wollten (die meisten waren deutlich intelligenter als ich). Aber ich schweife ab … ich wollte erklären, warum ich mich dazu animiert fühlte ohne nachzudenken mich an der Aktion zu beteiligen. Vor kurzem hat Kollege Falk Hedemann einen sehr schönen Artikel veröffentlicht. In seinem Beitrag „Macht das Social Web wieder sozial“ beklagt er zurecht die aufkommende und ausufernde Mentalität alles Niedermachen zu wollen. Gerade „Unsere“ Zunft meint ständig die Weisheit mit der ganz großen Spachtelkelle sich in die superhippe Socialrübe geschaufelt zu haben. Über LIDLs Jessica wird sich aufgrund ihrer belanglosen gute Laune Posts lustig gemacht. Da gibt es „Kopfschüttel“, „Tisch – Kopf“, „ROFL“ und „LOL“, damit wir uns besser fühlen.

LIDLs 00-Papier-Post
LIDLs 00-Papier-Post: doof, lustig oder aber einfach nur nichts schlimmes?

Bitte nicht falsch verstehen … ich nehme mich selbst da nicht aus. Und ich will damit auch nicht sagen, dass gravierendes Fehlverhalten oder rechtlich bedenkliche Posts unkommentiert bleiben sollten. Aber der Ton sollte sich ändern. Warum nicht freundlich und hilfsbereit agieren anstatt draufzuhauen? In der Anonymität des Webs fällt es leicht seine Weisheiten und Gemeinheiten hinauszuposaunen. Wäre doch mal ne Herausforderung den steinigeren Weg entlang zu latschen und ein bisschen netter zu seinen Mitmenschen zu sein. Wie sagt Falk so schön in seinem Artikel:

Lasst uns doch bitte alle wieder einen Schritt zurück gehen, damit die sozialen Netzwerke auch wirklich wieder sozial sind. Hater gibt es immer mehr als genug, da sollten wir den Gegenpol bilden, ich würde mich sehr freuen, wenn ihr alle mitmacht!

Positive Beispiele finden sich in Gruppen, wie den Fanpage-Admins. Dort muss sich keiner doof fühlen, nur weil er ein Problem hat und keine Lösung findet. Dort wird unterstützt und Rat gegeben. Ob klein (wie ich) oder groß (wie Thomas Hutter), hier wird auf Augenhöhe kommuniziert. Sicherlich kennt jeder von euch solche Gruppen und Gemeinschaften, in denen das funktioniert. Wäre doch toll, wenn man diese Mentalität der kleinen Gruppe auch auf eine größere übertragen könnte, oder?

Bevor ich nun aber den überschwenglich-weltverbessernden Moralapostel raushängen lasse (ich weiß, sehr anmaßend, aber so bin ich), möchte ich etwas zu belanglosem „Content“ sagen.

Content-Marketing ist ein großes Stichwort. Alle wissen so ungefähr was es meint, aber es gibt viele Auslegungen und damit liegt genau da auch der scharf gewürzte Meister Lampe auf der Online-Datenautobahn. Wer bestimmt, was guter Content ist? Das ist in etwa so, als wüsste man was große Kunst ist, was ein leckerer Wein ist, welche Musik die beste ist. Woher meinen wir dies zu wissen? Meiner Meinung nach vom hören-sagen. Geschmack ist aber subjektiv. Nur weil ich Scooter scheiße finde und harten Rock besser finde, habe ich nicht mehr Ahnung als der Techno-Liebhaber.

Richtig ist, was Erfolg bringt. Erfolg ist, was gesetzte Ziele erreichen lässt. Das können persönliche Ziele sein (ihr merkt schon, dass meines neben Weltverbesserung auch Erlangung der Weltherrschaft ist …) oder aber geschäftliche. Hierzu mal ein kleiner Exkurs zu meinem Job und VON DER SEE. „An Deck“ produzieren wir viel Content für Facebook und Co. Dieser Content ist nicht immer hochgeistig oder nützlich, sondern wird von uns als „Infotainment“ bezeichnet. Ja, wir produzieren dort auch belanglose Posts zum Thema Wetter. Macht aber nichts, denn darüber freuen sich Follower und Fans, es verschafft ihnen einen kleinen netten Moment. Viele bedanken sich dafür oder kommentieren und wir bemühen uns jeden Kommentar zu beantworten. Das ist eine Sache des Respekts und der Höflichkeit. Was hat eine Werbeagentur davon? Eigentlich nichts. Und dennoch sind wir damit in unserer kleinen Region Thema …“ach das sind die mit den Geschichten von Deck!“ hören wir häufig. Zudem zeigen wir was im Büro los ist, präsentieren eigene Arbeiten mit ehrlichem Stolz, zeigen dann wieder tolle Designs aus aller Welt oder aber Werbefails. Wir informieren über Neuigkeiten des Social Webs und versuchen Kommunikations-Denglisch zu vermeiden. Wer will und wen es interessiert, der wandert in unseren Blog und kann sich über das ein oder andere Thema tiefer gehend informieren. Man mag es glauben oder nicht, aber das ist so geplant.

Alles gut und schön, aber funktioniert das? Völlig subjektiv: Ja tut es. Das hat 3 Gründe.

  1. Regional bedingt. Wir haben sehr früh angefangen sehr konsequent die Social-Medias zu nutzen.
  2. Wir denken und handeln ganzheitlich. Kommen aus dem Design und Klassikbereich und schämen uns nicht dafür, dies zu zeigen und vor allem verbinden wir die Welten miteinander. Social Media ist nämlich nicht der einzige Weg in die kommunikative Zukunft, sondern ein weiterer, wenn auch wichtiger.
  3. Wir sind authentisch. Immer wenn ein Neukunde uns besucht hören wir „genauso hab ich mir das hier vorgestellt“. Gutes Gefühl irgendwie …

Unsere ganzheitliche Arbeit mit den Medien führt nicht zu einem Auftragsshift (von wegen nur noch alles digital) sondern zu einer Auftragssteigerung. Unser Social Media-Engagement hat uns in den vergangenen Jahren zahlreiche Neukunden verschafft und erweiterte Aufträge der Bestandskunden nach sich gezogen. Ist Belangloses also erlaubt? Meiner Meinung nach ein klares Ja. Man sollte nur dazu stehen können.

Und was ist nun mit der Giraffe? Die bleibt. Bis Samstag. Und ganz nebenbei hat das gefleckte Viech meinen KLOUT Score um zwei Punkte nach oben geschubst. Wenn ich jetzt nen Hotel in USA-Land aufsuchen würde, würde mir das eventuell nen Gratiskaffee einbringen … das wäre doch echt nett.

Klout Score Zuwachs
Klout Score Zuwachs

Fazit: Über die Ernsthaftigkeit von Belanglosem nachzudenken, kann nicht schaden. Weh tut es auf jeden Fall nicht. Und Danke Falk, für den Geröllbrocken des Anstoßes.

Veröffentlicht von

Sebastian Freitag

Sebastian Freitag, Jahrgang 1975, ist seit 1998 ist verschiedenen Funktionen in der Kommunikationsbranche tätig. Als Mitgründer und -Geschäftsführer der Werbeagentur VON DER SEE berät er Kunden zu den Themen Markenführung, Onlinemarketing und digitalen Strategien. Dies ist Sebastian privater Blog. Eine Sammlung von Gedanken und Dingen, die ihn bewegen.

9 Gedanken zu „Giraffen-Content für eine bessere Welt“

  1. Ich sehe das als grundsätzliches Problem der nonverbalen Kommunikation. Es wird Zeit das wir alle mal kurz rechts ran fahren und durchatmen. Das was die Menschen sich hier im „Scheinschutz“ der Anonymität um die Ohren hauen geht auf keine Kuh/Giraffenhaut. Ich persönlich poste und kritisiere nur so, wie ich es auch persönlich sagen würde.

  2. Toller Artikel – spricht mir aus der Seele. Genau DAS ist für mich Social Media: Kommunikation, Mehrwert für beide Seiten. Austausch. Ohne Hintergedanken. Einfach – weil es Spaß macht, anderen zu helfen und selbst Hilfe anzunehmen. Einfach – weil authentische Menschen interessant sind. Privat und geschäftlich. Einfach – weil Fehler interessant sind. Einfach – weil authentisch. Die Menschen, die SoMe im Herzen tragen, sind irgendwie eine besondere Spezies 😉 Danke für diesen Artikel!

    1. Hi Linda, vielen Dank für das Lob. Ich denke auch, dass man das ganze Thema weniger anstrengend angehen sollte. Selbst als vermeitlicher „Profi“ mag ich liebe mit Kunden und Interessenten die einfachen Worte. 🙂

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