Facebook ist ein Anzeigenfriedhof

Da haben wir es wieder, Facebook schafft sich ab und ist ein Anzeigenfriedhof … ist das nicht langsam langweilig? Im aktuellen Blogbeitrag von Mike wird geschimpft. Über sinkende Reichweiten und die böse Idee von Facebook, das Unternehmen Geld in die Hand nehmen sollten und für Ihre Produkte „werben“. Iiiiihhhhhhhhhhh Werbung!!! 

Das ist natürlich Mikes persönliches Empfinden und stützt sich auf den Artikel von Time.com. Folgende Thesen werden hierzu von Ihm aufgestellt:

1. Unternehmen (und andere “Pages”) werden zukünftig weniger wahr genommen, obwohl ihre Fans es wollen.
2. User bekommen weniger Informationen etc. ihrer gelikten Favoriten.
3. Facebook wird dadurch mehr und mehr zu einer Werbeplattform.
4. Die Absicht FBs mehr Geld durch Unternehmen zu verdienen geht zu Lasten der Nutzer, denn diese erhalten nun von Unternehmen (bezahlten) “Content” und “Informationen”, die sie sonst nicht bekommen würden, da sie den Unternehmen ggf. kein “like” gegeben haben.

Meine unwerte Meinung aus meiner persönlichen Erfahrung hierzu ist wie folgt:

Zu 1.:
Wahrnehmung ist nicht gleich Reichweite. Jede Fanpage verfügt über Heavy-User und diejenigen, die eine Seite einmalig aus irgendwelchen Gründen (zum Beispiel „like-Anfragen“) besuchen und entsprechend hinzufügen. Wer lediglich Facebook als Reichweiten-Tool sieht, hat Social-Media nicht verstanden. Das die Reichweite sinkt ist eine logische Konsequenz aus der Tatsache, dass immer mehr User und Unternehmen Facebook nutzen. Rein mathematisch gesehen muss eine Selektion erfolgen. Wenn also mit Wahrnehmung Reichweite gemeint ist, gebe ich Mike Recht. Wenn mit Wahrnehmung Relevanz und Interaktion gemeint ist, dann nicht.

Zu 2.:
Die Heavy-User werden nach wie vor die Aktionen und Posts von ihren Lieblingspages zu sehen bekommen. Denn der inoffizielle Pagerank von Facebook unterstützt gerade dies. Viel Interaktion mit Personen/Pages = in den Newsfeed, wenig Interaktion = raus aus dem Newsfeed. Will man also Interaktion mit den Leuten, die sich für seine Themen interessieren und bereits Fans sind, wird sich nicht viel an der Wahrnehmung ändern. Tipp: Seitenadmins sollten öfter darauf hinweisen, dass man seine News abonnieren kann …

Zu 3.:
Facebook wird mehr und mehr zur Werbeplattform. Das stimmt so nur bedingt und bedarf einer differenzierteren Betrachtungsweise, bzw. einer Definition, was Werbung ist. Wenn Werbung als klassischer „Hier gibts Schweinebauch für 0,99 €“ empfunden wird, dann ist das wohl so und die Unternehmer und Werbetreibenden (also auch Agenturen) die ausschließlich so im Social Web agieren, haben das Thema nicht verstanden. Werbung für Inhalte macht aber sehr wohl Sinn. Wer ein interessantes Thema hat und dieses auf Facebook prominenter wahrgenommen wissen will, der ist zunächst auf die Heavy-User und wiederum in zweiter Linie auf Reichweite angewiesen. Reichweite lässt sich Facebook wie jedes andere Medium auch (zu Recht) bezahlen. Diese verträumte Sicht „das Web ist für alle umsonst“ wäre zwar wünschenswert, dafür müssten aber ein paar wesentlich relevantere und entscheidendere Dinge auf dem Planeten passieren. Bleiben wir der Einfachheit halber also lieber dabei, dass Unternehmen mit Ihren Leistungen und Angeboten auch Geld verdienen wollen. Fantastischerweise hat Facebook das beste Online-Setting für Anzeigen, dass ich kenne. Hier lassen sich fast punktgenau Zielgruppen definieren, wenn ich mir denn die Mühe mache diese zu definieren und auszusteuern. So bin ich in der Lage meinen genialen Inhalt, meine wichtige Message oder eben auch ein tolles Angebot (wenn man denn will) grafisch aufbereitet an genau den Interessentenkreis ausspielen, den man erreichen möchte. Wo ist also das Problem? Ich werbe für meinen Inhalt bei den relevanten Leuten, die mich ohne die Werbung aufgrund der beschriebenen Fülle an Posts/News meiner Community gar nicht erreicht hätte. Ich selbst habe so viel tolle, nützliche und wissenswerte Dinge auf diese Weise gefunden, dass es eine wahre Freude ist.

zu 4.:
Hä? Natürlich will Facebook Geld verdienen, die sind ja nicht die Heilsarmee. Und wo haben den Unternehmen sonst die Chance sich über ihren Content – der übrigens auch nicht „umsonst“ entsteht (entweder erstellt durch Dritte oder als Opportunitätskosten zu beziffern) – mit so vielen Leuten ggf. auszutauschen? Vielleicht herrscht da auch eine etwas verklärte Sicht der Dinge, WAS User von Unternehmen im Social-Web erwarten. Es geht nicht allein um „Austausch auf Augenhöhe“ oder  „der User will sich verstanden fühlen“ sondern vor allem um Informationen.

Chart Social-Media Präsentation VON DER SEE
WAS ERWARTEN USER VON EINER GUTEN SOCIAL-MEDIA PRÄSENZ?

Meine Erfahrung mit Werbung auf Facebook:

  1. Sie ist sinnvoll und notwendig, WENN ich relevante Infos an relevante Personen übermitteln möchte. Facebook Anzeigen sind die Pipette, statt der befürchteten Gießkanne. (Zudem sind die Kosten absolut überschaubar.)
  2. Wer zuviel „nervige“ Werbung bekommt, sollte mal schauen, was und wen er alles geliked hat. Hieraus ergeben sich nämlich eine Vielzahl der mir zugespielten Anzeigen.
    (statt nur zu meckern, sollte man sich lieber mit den Möglichkeiten Werbung zu unterbinden auseinandersetzen und entsprechend Tipps geben.)
  3. Facebook schafft Ads-Formate ab, die für ein „Grundrauschen“ sorgen und will so erreichen, dass nicht fraglos alles automatisch beworben werden kann, sondern die Werbetreibenden noch differenzierter denken.

Sinnvoll eingesetzte Anzeigen erhöhen die Beteiligung an Fanpages umd steigern die Conversion auf die zugehörigen Websites. Dies kann ich aus meiner Sicht für alle betreuten Seiten mit entsprechenden Insights bestätigen.

Beispiel für Interkationssteigerung dank Einsatz von Anzeigen-Sets
Beispiel für Interaktionssteigerung dank Einsatz von Anzeigen-Sets

Mein Fazit: als Unternehmen, Berater und Agenturen sollten wir uns alle an die Nase fassen und mehr aufklären statt zu wettern. Beratung beinhaltet schließlich, dass man Unternehmen die richtigen Maßnahmen empfiehlt. Und dazu zählen nun mal auch Anzeigen auf Facebook. Statt Reputationsaufbau und positives Image ohne Werbung zu wollen, finde ich, dass diese beiden Dinge mit Unterstützung von passender Werbung besser funktionieren können.

Veröffentlicht von

Sebastian Freitag

Sebastian Freitag, Jahrgang 1975, ist seit 1998 ist verschiedenen Funktionen in der Kommunikationsbranche tätig. Als Mitgründer und -Geschäftsführer der Werbeagentur VON DER SEE berät er Kunden zu den Themen Markenführung, Onlinemarketing und digitalen Strategien. Dies ist Sebastian privater Blog. Eine Sammlung von Gedanken und Dingen, die ihn bewegen.

5 Gedanken zu „Facebook ist ein Anzeigenfriedhof“

  1. Klar, dass ich darauf antworte, nech?
    Ich möchte nur Generelles dazu sagen: mir ist es klar, dass es seitens der Werbeunternehmen immer nur Positives zum Thema Werbung/Ads auf Facebook, google etc. geben wird. Und natürlich ist Werbung für Unternehmen auch wichtig. Aber: oft haben „die Werber“ eine andere Auffassung von dem, wie Social Media funktionieren sollten. Klar kann ein Werber nicht seine eigene Arbeit infrage stellen. Ich als „Marketer“ habe das aber – z.B. im Hinblick auf die allgemeine Öffentlichkeitsarbeit/PR – mittlerweile getan. Ich bleibe bei meinem Standpunkt und sage: Social Media sind keine Kanäle, die mit/durch Werbung missbraucht werden und von den Kanalbetreibern dahin gedrängt werden sollten. Klar ist FB keine Heilsarmee, aber meiner Meinung nach sollte man auf andere Monetarisierungsmöglichkeiten (z.B. kostenpflichtige Company-Accounts) abzielen und nicht auf plumpe nervige Werbung. Dafür sind die Social Media einfach nicht entwickelt worden, auch wenn Du das anders siehst.

    Grüsselchen.

    1. Hi Michael, kein Ding … jedem seine Meinung und ich denke du kennst mich und das was ich schreibe. Ich bin selbst kritisch genug mit unserem Berufszweig und bin auch kein Werber im klassischen Sinne. Viel wird schön geredet aber ebenso viel grundlos niedergemacht. Ich bin für differenzierte Betrachtung und Fakten. Meine Fakten sind vielleicht andere als Deine. Und ich glaube auch, dass ich mir durchaus anmaßen darf ein klein wenig Kenntnis von Social-Media zu haben, auch wenn ich nur Werbe-Hansel und nicht Marketer bin. 😉 Ich spreche auch nicht davon generell alles extra bewerben (plump-nervig braucht keiner … on- wie offline) zu müssen, sondern davon, dass es im Context allemal sinnvoll ist. Der User (zumindest laut Befragungen) gibt mir in sofern recht, dass es in erster Linie um die Vermittlung von Infos geht.

      In so fern bleibe auch ich bei meiner Meinung … differenziert betrachtet und korrekt eingesetzt ist Werbung sinnvoll und notwendig. 😉

  2. Hey Sebastian, danke für diesen Artikel. Ich bin da zu 100% deiner Meinung. Meine Herzensangelegenheit gilt einer Page (wie du ja weißt) die rein ehrenamtlich betrieben wird und daher nie mehr als 100 Euro im Jahr investieren kann in fb und dennoch schaffen wir es stets über 60% unserer „Fans“ zu erreichen. Wer aufmerksam ist, weiß wie er seine „Heavy-User“ entertaint und wie der fb-Hase läuft. Und privat sehe ich das auch so, Mensch liked viel zu schnell jeden Kram und wundert sich dann, dass man den Mittagsteller des besten Freundes nicht mehr ausgespielt bekommt…. 🙂

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