Einfachheit: Amazon FireFly, Tesla und die Samwers

Tach zusammen,

längere Zeit gab ich nichts von mir … Arbeit eben. Aktuell sind aber ein paar interessante Dinge passiert und zu lesen. Und da ich ein Freund von Einfachheit bin, erlaube ich mir ein paar Dinge in den virtuellen Äther zu tröten, denn so ein Blog ist ja auch was einfaches 😉

Auslöser ist das neue Amazon Smartphone „Fire Phone“. Ein ziemlich kluger Name, denn es wird vieles in Brand stecken, was wir kennen. Ich sage das bewusst wertungsfrei, denn zwischen Feuer der Begeisterung und Brandstifter liegen Welten. Begeistert dürfte ein Großteil der Nutzer sein. Mit der Killerapp FireFly haut Amazon dem Einzelhandel mal eben die Streitaxt zwischen die Rippen. Durch einem Knopfdruck scannt FireFly das, was zu erfassen ist und leitet uns direkt in den Amazon-Shop weiter. Barcodes, QR-Codes, Websites, Bücher, DVDs, Ommas Schlüppa im Regal … the sky is the limit. Sogar TV-Serien erkennt die App und spuckt Infos hierzu aus, leitet zum Streamingdienst und zur Bestellung weiter – Einfachheit in Reinkultur.

Nicht so dolle findet das vermutlich der Einzelhandel. Denn die (berechtigte?) Sorge ist: Wir werden zum Schaufenster für Amazon! Ware begutachten, bei Amazon bestellen, Hose anprobieren, die passende Größe bei Amazon bestellen … ich brauch das nicht fortführen, ihr wisst wie es weitergeht. Wie aber wird der Einzelhandel reagieren? Handyverbotsschilder? Elektronische Störsender? Bilder weinender Kinder, weil die Eltern ihre Jobs verlieren? Oder gibt es gar kreative Möglichkeiten sich die App zu nutze zu machen? Man wird sehen.

C&A hat in Brasilien beispielsweise eine Facebook Counter an Kleiderbügeln angebracht. So kann man sehen, wie beliebt das Kleidungsstück ist. Es erleichtert vielleicht die Entscheidung und ist gleichzeitig ein Feature, das interessant und witzig ist. Die Bereitschaft vor Ort zu kaufen steigt, denn Einkaufen wird zum Erlebnis.

Da ist der Schritt dahin nicht mehr weit, über seine Kleiderwahl in seiner Community abstimmen zu lassen. Digitaler Service ergänzt Produktversprechen bringt Mehrwerte und baut Beziehungen zu Konsumenten auf und aus. Die Liste dieser „Digital Utilities“ ist lang … vielleicht findet ja der ein oder andere Einzelhändler hier eine spannende Idee.

Der nächste „Kracher“ ist TESLA. Der kalifornische Autobauer (der mit den geilen Elektroautos) will mal eben den Automarkt revolutionieren und gibt seine Patente frei!
Spinnt der denn?! Verschenkt Milliarden?! … Ne Ne. Elon Musk (so heißt der Gute) ist es leid, dass sich die Autoindustrie mit der Stromlinienförmigkeit von Außenspiegeln beschäftigt, statt die (ehemalige) Innovationskraft zu nutzen, um Mobilität neu zu erfinden. Während also die Autobauer in erster Linie an der Erhaltung ihres Status Quo interessiert sind, macht der mutige Musk einfach mal Open-Source Patente aus seinen Errungenschaften: Keine Werkstattbesuche für Software Updates (Apps kann man ja auch so laden), umfassende Garantien und Werkstattflatrates, Batterietechnik und Ladesäulen für alle Hersteller. Das ist Einfachheit. (das Ganze Ausmaß könnt ihr hier lesen)

Quelle: Pixabay
Quelle: Pixabay

Was passiert nun? Auf einmal können sich alle möglichen Leute Gedanken über Mobilität machen und vielleicht neu erfinden. Und wer profitiert? Musk und wir … nicht aber die Autoindustrie in ihrer bisherigen Form (Achtung Arbeitsplätze!)

 

Manchmal denke ich wir Deutschen sind gefangen in unserem Streben nach Perfektion und Qualität.

Sicherlich ist beides wichtig als Antrieb, aber wir verlieren den Anschluss, wenn wir in all unserem Kirchturmdenken immer am „das war schon immer so“ festhalten, nur weil wir das immer so machen und bisher gut funktionierte. Wollen wir Produktionsdronen oder Innovatoren sein? Falls letzteres, dann sollten wir langsam aus dem Quark kommen, denn aktuell kommen aus dem Land der Ideen wenig Ideen.

Einer mit Ideen ist der berühmt-berüchtigte Oliver Samwer. Seine Firma Rocket Internet (15.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern) ist so etwas wie der Online-Leuchtturm aus deutschen Landen. Klar kann man Dreck finden und muss auch nicht alles nicht gut heißen, aber eines muss man den Berlinern lassen: Sie scheißen einen auf Konventionen und machen da Geschäft, wo andere nie dran dachten. Schuhe online kaufen? Geht doch nicht!!! Geht doch und Samwer schreit vor Glück, während der o.g. Einzelhändler dicke Backen macht. Immer neue Konzepte entspringen der Kreativbrutstätte und „bedrohen“ etablierte Märkte. Mit GPS-Sendern und T-Shirt ausgestattete Fahrer machen in Südostasien UPS Konkurrenz, man reagiert schnell auf Gelegenheiten. Nicht immer perfekt, aber immer schnell, denn erster am Markt sein ist heute die Marschroute – die Optimierung erfolgt „on the fly“.

Leider ist mir bisher noch nichts geniales eingefallen, um einen Beitrag zur Einfachheit beizutragen, vielleicht denke ich auch zu lange darüber nach … aber zumindest bin ich gewillt, mich nicht krampfhaft an etwas festzuhalten, was nicht von Bestand sein wird, sondern neugierig und gleichzeitig kritisch.

Ein paar Aspekte, was Einfachheit für mich bedeutet, möchte ich dennoch mit euch teilen, denn vielleicht fallen Euch ja spannende Sachen ein, die es sich lohnt zu realisieren:

  • Einfachheit durch Zuverlässigkeit … was funktioniert nehmen wir gern an.
  • Einfachheit durch Ästhetik … was unsere Empfindungen aus optischen Gründen anspricht, macht es uns einfacher sich dafür zu interessieren.
  • Einfachheit durch Bequemlichkeit … perfekte Vernetzung von Diensten und Services machen uns das Leben leichter.
  • Einfachheit durch Verständlichkeit … präzise und selbsterklärende Funktionsweisen erleichtern uns zu verstehen.
  • Einfachheit durch Veränderung … Anpassung an neue Umstände geben uns das Gefühl „up to date“ zu sein.

Fazit: Was uns Menschen immer voran gebracht hat, ist der Wille zu Veränderung. So ist denn auch das Motto unserer Agentur „die Beständigkeit der See ist ihre immerwährende Veränderung.“ Wie wäre es also damit, die Dinge zum Einfachen zu verändern?

Nachtrag: gerade gefunden und die Idee als bestechend einfach und somit erwähnenswert empfunden: kwizzme. Suche die Reise, die du möchtest und Anbieter machen die Vorschläge. Könnte geil werden ….

Veröffentlicht von

Sebastian Freitag

Sebastian Freitag, Jahrgang 1975, ist seit 1998 ist verschiedenen Funktionen in der Kommunikationsbranche tätig. Als Mitgründer und -Geschäftsführer der Werbeagentur VON DER SEE berät er Kunden zu den Themen Markenführung, Onlinemarketing und digitalen Strategien. Dies ist Sebastian privater Blog. Eine Sammlung von Gedanken und Dingen, die ihn bewegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.